Ulla Koch

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 3 (Mai/Juni 2022)

 


Zur Person

Ulla Koch (66) ist Vizepräsidentin Olympischer Spitzensport des Deutschen Turner-Bundes. Von 2005 - 2021 war sie Cheftrainerin der Deutschen Nationalmannschaft Turnen Frauen.

 


Trends können in vielen Bereichen (Börse, statistisch, soziologisch…) auftreten. Trends im Sport ergeben sich, wenn Sportarten oder Sportangebote neue Botschaften senden, z.B. jung und hype zu sein und durch besonders spektakuläre und/oder mitreißende Bilder auf sich aufmerksam zu machen und bestenfalls eine euphorische Begeisterung für sich bewirken.


Dahingegen sind Innovationen bzw. innovatives Handeln geplante und kontrollierte Veränderungen, Neuerungen, Ideen oder Reformen. Deshalb besteht zwischen einem Trend und einer Innovation ein Unterschied. „Trendy“ zu sein kann schneller vergehen, weil es für den Moment emotionaler ist. Innovationen entwickeln sich und sind meines Erachtens nachhaltiger.


Große Veränderungen haben Fitnessprogramme, Gesundheitssport, Prehabprogramme oder der Trend zum perfekten Körper gebracht. Auch die Sportpsychologie und mentales Training gehören für mich dazu. Im DTB ist es vor allem die „Gymwelt“ mit all ihren Facetten. Im Leistungssport hat für mich Simone Biles im Turnen die größten Veränderungen herbeigeführt. Und für mich selbst: Sportpsychologie, mentales Training und Golf spielen.


Trends, die ich selbst mitgemacht habe, und die sich auch bei mir durchgesetzt haben, sind mentales Training für Trainerinnen, Trainer, Athletinnen und Athleten und „Coach the Coach“.


Der Deutsche Turner-Bund reagiert auf neue Trends im Sport mit Projekten, Kampagnen und Kooperationen, wie bspw. dem „Strategiekonzept DTB 2029“ (Zukunftsgestaltung des DTB und seiner Landesturnverbände), der DTB-Denkfabrik oder dem Förderprogramm „Aufholen nach Corona“. Auch die Initiative „Bewegung gegen Krebs“, der Kultur- und Strukturprozess „Leistung mit Respekt“ und das Mitwirken sowie die Mitgestaltung für ein „Unabhängiges Zentrum für Safe Sport“ möchte ich hier nennen. Eine Innovation beim DTB ist der Unitard! Turnerinnen starteten bei den Europameisterschaften und Olympischen Spielen 2021 mit langbeinigen Turnanzügen und setzten weltweit ein Zeichen für Selbstbestimmung und gegen die Sexualisierung von Sportlerinnen.


Ich selbst reagiere meist verhalten auf Trends und schließe mich ihnen selten an. Wobei ich Trends unterstütze, wenn sie meines Erachtens sinnvoll für andere sind. In Gesprächen mit Sportlerinnen, Sportlern, Trainerinnen und Trainern schnappe ich meist neue Trends auf und mit dem Weitblick über den Tellerrand hinaus.


Im Verband vermisse ich die Professionalisierung und das unabhängig werden von Drittmitteln. Wenn sich die Vereine und Verbände stärker professionalisieren würden/könnten/wollten, könnten sie Trends schneller und nachhaltiger etablieren. Die Strukturen können mit einer höheren Anzahl von hauptamtlichen Kräften in Bezug auf Veränderungen, Reformen und innovatives Handeln besser geplant und kontrolliert werden. Und dies in enger Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Unterstützern, die als beratende Expertinnen und Experten fungieren, umsetzen und gestalten.


Es muss aber ein gesundes Mittelmaß aus Tradition und Trendsportarten angeboten werden, um die Vielfalt zu gewährleisten. Alter, Geschlecht, Diversität, soziale Strukturen, Ökonomie, Nachhaltigkeit und einiges mehr ist zu beachten.

Und sicherlich kann man Leistungs-, Breiten- und Trendsport unter einen Hut bringen. Jede Gruppierung hat Role Models und es können Synergieeffekte genutzt werden.


Ob es Sport-Trends gibt, vor denen ich warnen würde? Jeder Sportler ist selbstverantwortlich für sein Handeln und Tun. Wenn ein didaktischer, methodischer und wissenschaftlicher Hintergrund für das Training und die Performance gegeben ist, ist (fast) kein Sport gefährlich. Gesundheitsgefährdend wird der Sport, wenn die physischen und psychischen Voraussetzungen nicht gegeben sind und das Unternehmen Sport zu einem Wagnis stilisiert wird.


Meine Meinung zu Trendsportarten bei den Olympischen Spielen ist sehr gespalten. Es muss aufgepasst werden, dass mit dem Trend, durch junge Athletinnen und Athleten mehr junge Zuschauer für die Spiele zu gewinnen, nicht der psychologische und pädagogische Auftrag, den der Sport und seine Organisationen haben, verloren geht. Meines Erachtens sind Athletinnen und Athleten unter 18 Jahren entwicklungsbedingt nicht unbedingt schon psychisch und mental reif für die große Bühne der Olympischen Spiele, da der Medienhype und die sozialen Kanäle eine große Belastung darstellen.


Trendsport bei den Olympischen Spielen, vor allem die Sportarten, die die Teilnahme und den Weg öffnen für jüngere Athletinnen und Athleten, provozieren einen „Mitmacheffekt“, der sich negativ auf die Entwicklung junger Menschen auswirken kann. Der Druck, der auf Erziehungsberechtigte, Trainerinnen, Trainer, Vereine, Verbände und das Umfeld des jungen Menschen wirkt, kann frühe Dropouts und gesundheitliche Schäden hervorrufen. Das IOC und seine Mitgliedsverbände sollten sich auf eine Erhöhung des Startalters auf 18 Jahre ab den Spielen 2028 einigen.

 


Foto: Picture Alliance/DTB

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