Heleen Zarnecke

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 3 (Mai/Juni 2021)

 


Zur Person

Die 30-jährige Studentin Heleen Zarnecke ist Gymnastin und Trainerin beim TuS Lichterfelde.

 


Die Wettkampfgymnastik betreibe ich seit 24 Jahren. Für mich ist es eine der schönsten und vielfältigsten Sportarten. Sie vereint Kraft mit eleganter Leichtigkeit, akrobatische Elemente mit rhythmischen Bewegungen und Gerätekoordination mit Körperkoordination.


In dieser Sportart ist man nicht gezwungen sich zu entscheiden, da Wettkämpfe im Einzel als Kürübung, im Paar als Pflichtübung oder als Gruppe ausgeführt werden können. Alle Wettkampfformen gibt es inzwischen auch bis zu deutschlandweiten Wettkämpfen. Man probiert sich aus, und entscheidet sich dafür, was einem am Ehesten zusagt, auch die Trainer helfen bei der Auswahl. Kann man sich nicht entscheiden, ist es durchaus möglich in mehreren Formaten zu starten. Dies bedeutet dann natürlich sehr viel mehr zeitlichen Aufwand.


Ich trainiere 3- bis 4-mal offiziell im Verein. In der Zeit dazwischen gehe ich noch ins Fitnessstudio, um den Körper so fit wie vor 10 Jahren zu halten.


Wie wichtig in unserer Sportart Wettkämpfe sind? Unser Sport lebt von der Präsentation. Alles ist lange und intensiv trainiert, damit es leicht aussieht und die Betrachtenden, die Kampfrichter und die Aktiven die Übungen genießen und fühlen können. Ohne Wettkämpfe kann man es zwar selbst genießen, aber macht das Teilen von guten Gefühlen doch die meiste Freude.


Die Erfolge der Weiterentwicklung, über sich hinauszuwachsen und andere mit seinen Fähigkeiten mitreißen und inspirieren zu können, sind für mich die größte Motivation. Wenn ich merke, dass die Zuschauenden die Musik und unsere Interpretation fühlen können, sie bei „Risikos“ (hohen Würfen) mitfiebern und kreative Elemente verblüffen, dann ist es viel mehr Wert, als es auf das Siegertreppchen geschafft zu haben! Natürlich freut man sich immer über einen guten Platz und das Umkämpfen derer gehört ebenfalls zur Motivation dazu.


Bei meinen bisherigen Wettkämpfen waren meine größten Erfolge 2018 der 2. Platz beim Deutschland-Cup und der 1. Platz mit Band im Gerätefinale, sowie 2017 der 2. Platz beim Regio-Cup Nordost. Und ich bin mehrmalige Berliner Meisterin.


Durch Wettkämpfe kann man lernen, in einem bestimmten Moment, in dieser einen Chance zu funktionieren und abzuliefern, seine Ängste zu überwinden. Konkurrenz und Rivalität heißt dennoch, die anderen Sportler zu respektieren und dass Freundschaften darüber hinaus funktionieren. Alle kämpfen und trainieren hart dafür und das gilt es zu respektieren. Man lernt aber auch zu verlieren, damit umzugehen und noch wichtiger: aus Rückschlägen zu wachsen.


Zum Wettkampfleben gehört unbedingt noch das Zusammentreffen mit den anderen Gymnastinnen, der Austausch mit den Zuschauern und die gemeinsame Unterstützung aller Mädchen untereinander vor, während und nach der Übung dazu. Das alles macht das Erlebnis eines Wettkampfes komplett. Je mehr „Bambule“, umso mehr Spaß beim Auftritt. Bei manchen Wettkämpfen sind die gemeinsame Anreise und das gemeinsame Treffen und Feiern danach besonders wertvoll, sowie das gemeinsame Frisieren und Herrichten vor den Spiegeln.


Jeder Wettkampf war für mich so einzigartig und besonders, dass ich keinen davon missen möchte. Je größer der Wettkampf, die Halle und die Zuschauerzahlen waren, desto mehr Spaß hatte ich. Die Organisation war immer toll. Die Turnfeste geben einem da immer ein besonderes Gefühl, aber auch Wettkämpfe wie Regio-Cups oder Deutschland-Cups sind immer wahre Highlights.


Nach der Pandemie freue ich mich am meisten darauf, wenn wieder Zuschauer bei den Wettkämpfen zugelassen sind, man die anderen anfeuern kann und das gemeinsame Gruppenkuscheln nach der Siegerehrung. Wenn wir einfach wieder die Fläche rocken können!


Ob ich mir noch vorstellen kann, auch noch in höherem Alter an Wettkämpfen teilzunehmen? Nun – in dieser Branche bin ich inzwischen in einem höheren Alter… Deutschlandweit eine der Ältesten? Warum? Weil dieser Sport einen niemals loslässt, er entwickelt sich immer weiter und bleibt dennoch so anmutig. Wenn man gut sein will, gehört dazu viel Trainingszeit, weshalb viele dann als Aktive aufhören. Genauso wird es für den Körper immer anstrengender und man muss immer noch mehr Zeit investieren, um mithalten zu können und sich weiterzuentwickeln. Solange mein Körper durchhält, werde ich alles dafür tun, diesen Sport auszuleben. Er macht nicht nur Spaß, sondern hält körperlich wie auch geistig fit. „Gymnastik“ ist nicht nur ein Sport, sondern ein Lebensgefühl.


Dafür, dass wir nicht im Leistungsbereich agieren, haben wir wirklich inzwischen viele tolle Wettkämpfe im BTFB. Ich würde mir wünschen, dass es noch mehr Zusammenschlüsse bzw. Teilnahmen von anderen Vereinen gäbe als Freundschaftswettkämpfe. Manchmal wünschte ich mir mehr Werbung für die Sportart, vor allem auch im Leistungsbereich, der Rhythmischen Sportgymnastik (kurz RSG). Ich beobachte, dass die Wettkampfgymnastik sogar oft mehr Zuschauer hat als die RSG selbst. Generell sind die Zuschauer entweder selbst aus der RSG oder Angehörige. Wenn man mehr Leute für den Sport begeistern könnte, zum Beispiel durch öffentliche Shows, würde mich das sehr freuen.


Ich bin sehr dankbar dafür, dass es mir immer noch möglich ist, an Wettkämpfen teilzunehmen. Da es Dank des BTFB keine Altersobergrenze gibt. Jedoch wäre das alles nicht möglich ohne Katrin Einofski, durch die ich die Liebe zum Sport fand und behielt und meine Trainerin Oxana Fust, die mich weiterhin unterstützt und immer weiter fordert, egal wie alt ich bin. Wir sind inzwischen eine großartige TuSLi-Familie!

 


Foto: privat







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