Daniela Zschäckel

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 3 (Mai/Juni 2021)

 


Zur Person

Daniela Zschäckel (48), ist Orientierungsläuferin beim SV IHW Alex 78 und von Beruf kaufmännische Angestellte

 


Als ich 13 war, bin ich auf den Orientierungslauf aufmerksam geworden. Die Kombination aus Laufen + Orientieren hat mich einfach fasziniert. Man muss nicht immer der schnellste Läufer sein, um beim Orientierungslauf vorne mitzulaufen. Eine gute Mischung aus beidem macht den perfekten Orientierungsläufer aus.


Für mich war es bei der Wahl dieser Sportart nicht wichtig, ob ich eine Einzel- oder Teamsportart betreibe. Wichtig war mir immer, sich an der frischen Luft zu bewegen. Auch beim Orientierungslauf gibt es Teamwettkämpfe. Die sind immer besonders spannend und machen mir großen Spaß.


Ich bin sehr trainingsfaul, habe aber das Glück, etwas Veranlagung für das Laufen mit in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Einmal die Woche (immer mittwochs) gehe ich für ca. eine Stunde in einer Laufgruppe trainieren. Hier kombinieren wir reines Lauftraining mit Berg- bzw. Sprintintervallen. An den Wochenenden versuche ich dann an mindestens einem Tag an einem Orientierungslaufwettkampf oder einem Crosslauf teilzunehmen.


Während der Corona-Pandemie habe ich das Lauftraining mittwochs beibehalten, jedoch nicht mehr in der Laufgruppe, sondern nur noch mit einem Mitglied aus der Laufgruppe. Wettkämpfe sind ja leider alle weggefallen. Somit hieß es, sich andere Beschäftigungen für die Wochenenden zu suchen. Ich bin viel Fahrrad mit meinem Mann gefahren und wir haben auch einige Orientierungstrainings organisiert, damit wir das Orientieren nicht ganz verlernen.


Ein Wettkampf zeigt einem immer, wo man aktuell steht. Mir ist es nicht immer wichtig zu gewinnen, aber wenn es dann doch mal geklappt hat, freut man sich umso mehr. Die Wettkämpfe geben einem aber auch immer die Möglichkeit, sich mit Freunden zu treffen und ein paar schöne Stunden zusammen zu verbringen.


2022 möchte ich das erste Mal an einer Senioren-Weltmeisterschaft teilnehmen. Ich darf dann in der AK 50 starten und hoffe, bei einem der angebotenen Wettkämpfe (Sprint, Mittelstrecke und Langstrecke) ins Finale zu kommen. Dafür heißt es, weiterhin fit und gesund zu bleiben.


In den letzten 5 Jahren habe ich in fast jeder Teildisziplin des Orientierungslaufes einmal den Deutschen Meistertitel erlaufen. Nur in der Mannschaft ist mir das noch nicht gelungen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Als größten Erfolg sehe ich aber den Deutschen Meistertitel im Sprint im Jahr 2017.


Für mich zählt auch immer das Drumherum beim Wettkampf. Der Austausch mit anderen Sportlern ist mir sehr wichtig und fehlt aktuell komplett. Sich hier mit Freunden treffen und eine schöne Zeit mit einander verleben. Auch das gehört zu einem Wettkampf dazu.


Besonders gern erinnere ich mich an das Jahr 2006, da habe ich an einem 6-Tage-Orientierungslauf in Zermatt teilgenommen. Es war überwältigend in solch einer Kulisse laufen zu dürfen. Fast alle Läufe fanden oberhalb der Baumgrenze statt. Auch die ganze Organisation der Schweizer war hervorragend. Insgesamt haben 3.800 Läuferaus 38 Nationen an dem Event teilgenommen. Zu jedem Wettkampf sind wir mit einer anderen Gondelbahn fahren.


Von Juni bis September 2020 fanden ein paar kleinere regionale Orientierungsläufe statt. Somit konnte man wenigstens etwas Wettkampffeeling bekommen. Der letzte größere überregionale Wettkampf war jedoch bereits im September 2019. Nach der Winterpause war dann leider nichts mehr möglich. Das ist sehr schade, denn ich habe viele Freunde, die nicht in Berlin wohnen und die habe ich nun schon seit fast 1,5 Jahren nicht mehr gesehen. Es sind zwei komplette Wettkampfjahre ins Wasser gefallen. Es gab weder Deutsche Meisterschaften noch eine Bundesrangliste. Hoffen wir mal, dass sich das bald ändert und wir 2022 neu durchstarten können.


Ich kann mir vorstellen, auch noch in höherem Alter an Wettkämpfen teilzunehmen. Meine Eltern sind über 70 und betreiben den Sport immer noch. Das ist das Schöne am Orientierungslauf. Man kann den Sport von 9 bis 90 Jahren betreiben. Und wenn man mit 90 noch fit ist, evtl. auch noch länger.


Da ich nur Orientierungslauf betreibe, kann ich zum allgemeinen Wettkampfangebot des BTB nicht viel sagen. Wir als Region (Berlin/Brandenburg) richten im Jahr ca. 15 bis 20 regionale Orientierungslaufwettkämpfe aus. Die Organisationen der Wettkämpfe übernehmen die einzelnen Vereine. Manchmal kommt dann auch noch eine Deutsche Meisterschaft dazu. Das ist schon in Ordnung. Somit habe ich immer noch genügend Zeit, meinen Sport auch in anderen Regionen des Landes zu betreiben.


Da wir all unsere regionalen Wettkämpfe ohne Unterstützung des BTFB durchführen, würde ich mich freuen, wenn wir bei den Verhandlungen mit den Forstbehörden etwas Unterstützung vom BTFB bekommen könnten. Es wird immer schwieriger, den Forst davon zu überzeugen, dass wir seinen Wald nicht kaputt machen, wenn wir ihn für einen Wettkampf nutzen wollen. Die Jäger haben hier leider eine viel größere Lobby und wir bekommen immer mehr Absagen vom Forst. Ohne den Wald können wir unsere Sportart aber nicht mehr betreiben.

 


Foto: Juri Reetz







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