Interview mit Martin Hartmann

Wir brauchen eine systemische Veränderung

 

Zur Person

Martin Hartmann, 50, Vizepräsident Deutscher Turner-Bund, Vizepräsident BTFB, Vorsitzender des BTFB-Fördervereins „Berliner Freunde des Turnens“; Unternehmensberater, verheiratet, zwei Söhne im Alter von 21 und 14 Jahren

Herr Hartmann, zu Beginn die Frage, die wir hier allen gestellt haben: Was bedeutet für Sie Respekt?

Aus meiner Sicht bedeutet Respekt Wertschätzung auf Augenhöhe. Nur wenn man sich wertschätzt und einander auf Augenhöhe begegnet, kann man auch respektvoll miteinander umgehen.


Wovor haben Sie persönlich großen Respekt?

Ich habe hohen Respekt vor dem Trainingseinsatz und vor den Leistungen, die unsere Athletinnen und Athleten tagtäglich erbringen. Gleichermaßen beeindrucken mich die soziale und fachliche Kompetenz und auch der persönliche Einsatz unserer Trainerinnen und Trainer. Nur die Symbiose aus gut ausgebildeten Trainerinnen und Trainern, starken Athletinnen und Athleten, aber auch dem respektvollen Umgang miteinander schafft nachhaltige Spitzenleistungen.


Welche Rolle kann der Sport dabei spielen, Kindern und Jugendlichen respektvollen Umgang zu vermitteln?

Der Sport im Verein ist für Kinder und Jugendliche ein sehr wichtiges Lernfeld. Hier können sie hierarchieunabhängig Beziehungen zu anderen Erwachsenen neu lernen. Die Trainerinnen und Trainer sind zwar Autorität, aber auch Vertrauenspersonen und können dadurch deutlich besser motivieren und fördern, hauptsächlich durch Agieren auf Augenhöhe. Die Sportvereinsgruppe ist ein wichtiger Lernraum für Kinder und Jugendliche. Deshalb ist es ganz besonders wichtig, dass dieser Lernraum auch ein geschützter Raum ist, um Missbrauch zu verhindern. Hier sind wir alle – Eltern, Trainerinnen und Trainer, Funktionäre, aber auch Athletinnen und Athleten – gefordert, aufmerksam zu sein.


Damit sind wir bei der Initiative „Leistung mit Respekt“ des Deutschen Turner-Bundes. Gerade wurde mit dem 2. Forum ein Zwischenstand gegeben. Sie haben die Kampagne mit ins Leben gerufen und sind maßgeblich beteiligt. Wie fällt das Fazit bis hierher aus?

Als wir Anfang 2021 den Prozess „Leistung mit Respekt“ aufgesetzt haben, war uns klar, dass wir nicht nur ein paar neue Konzepte schreiben müssen, sondern dass wir eine systemische Veränderung brauchen. Was meine ich damit? Es gab in der jüngeren Vergangenheit weltweit mehrere Übergriffe psychischer, physischer und sogar sexueller Gewalt an Athletinnen und Athleten. Es gibt zum einen die Täter, es gibt aber auch ein Umfeld, das diese Übergriffe zugelassen hat. Zu diesem Gesamtsystem gehören wir alle – also auch Funktionäre, Eltern und Trainer. Unser Prozess „Leistung mit Respekt“ nimmt dieses Gesamtsystem in den Blick. Die größte Herausforderung dabei ist, dass systemische Veränderungsprozesse aufgrund der Komplexität und der Vielzahl der Akteure Zeit benötigen. Mehr als 60 hauptberufliche und ehrenamtliche Mitarbeitende engagieren sich in sieben Arbeitsgruppen, in der Steuerungsrunde und im Beirat in unserem Kultur- und Strukturprozess für Veränderungen des Trainingsprozesses und der Rahmenbedingungen.


Welche Zwischenergebnisse wurden erreicht?

Wir haben unter anderem vier umfangreiche Befragungen von Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainern, Funktionärinnen und Funktionären sowie Eltern mit mehr als 5.000 Beteiligten durchgeführt und es wurde eine Workshopreihe zur Erarbeitung eines Trainerinnen- und Trainerleitbildes gestartet. Weiterhin wurden konkrete Vorschläge zur Weiterentwicklung der Rahmen-bedingungen an den Bundesstützpunkten, neue Grundsätze für das Wettkampfprogramm und Regularien für einen Lizenzentzug entwickelt.

Der Interventionsleitfaden wurde überarbeitet und der DTB hat seine innerverbandliche Interventions- und Präventionsstruktur mit einer Ansprechperson für Prävention und einer Ansprechperson für Intervention und Aufarbeitung neu aufgestellt. Das zeigt doch, dass wir nach einem Jahr Prozesslaufzeit viel erreicht haben, aber die konkreten Umsetzungsmaßnahmen sind bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Für die Umsetzung brauchen wir die Unterstützung aller Stakeholder, also aller Prozessbeteiligten.


Was haben Sie persönlich an Erkenntnisgewinn mitgenommen?

Ich persönlich habe gelernt, dass auch ich als Sportfunktionär Teil des Systems bin und dass auch mein Tun oder auch Nicht-Tun Auswirkungen hat. Wir müssen uns alle die Frage stellen, ob wir in der Vergangenheit ausreichend sensibel waren und ob wir alles für ein respektvolles Miteinander getan haben.


Sie haben beim Forum dazu aufgerufen, Best Practice-Beispiele einzureichen. Welche Beispiele sind da gefragt und wer kann sich beteiligen?

Wir suchen unter diesem Link gute Ansätze aus dem Trainingsalltag, also aus der Praxis für die Praxis. Fragestellungen können bspw. sein:

  • Wie kann mit Verletzungen/Schmerzen umgegangen werden?
  • Was bedeutet ,auf Augenhöhe kommunizieren‘?
  • Ängste/Blockaden von Athletinnen und Athleten ernst nehmen
  • Wie kann Selbstbestimmtheit langfristig im Trainingsprozess gefördert werden/Platz finden?
  • Wie gehen wir konkret mit dem Thema Gewicht um?
  • Wie können Verbände und Vereine Trainerinnen und Trainer unterstützen?


Beteiligen können sich alle, die gute Praxisbeispiele einbringen können. Können Sie uns so ein Beispiel nennen?

Beeindruckt hat mich ein Beispiel aus Karlsruhe. Um vor Trainingsbeginn die Stimmung festzuhalten, können Steine in einer selbstgebastelten Box dem eigenen Befinden zugeordnet werden. Alle, also sowohl die Athletinnen und Athleten wie auch die Trainerinnen und Trainer machen mit. Auf diese Weise wissen alle bereits zu Trainingsbeginn, wie es jedem und jeder geht.

 


Das Interview führte Sonja Schmeißer.


Foto: Juri Reetz

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