Vorgestellt: Sonja Kujawski

Zur Person

Die 23-jährige Sonja Kujawski vom TSV Spandau 1860 e.V. hat zum Jahresbeginn die Aufgaben der bisherigen Kampfrichterverantwortlichen RSG für Berlin, Verena Brink, übernommen. Neben diesem Ehrenamt ist sie auch als Verbandstrainerin im Bundesstützpunkt Berlin RSG tätig.


Wie sind Sie auf diese Position aufmerksam geworden und was ist Ihre Motivation, sich ehrenamtlich zu engagieren?

Als unsere langjährige Kampfrichterverantwortliche Verena Brink ihren Posten abgab wurde eine Nachfolgerin für sie gesucht. Nachdem mich die TK-Vorsitzende und Vorsitzende des Fachausschusses RSG, Uta-Susanne Müller, in einem persönlichen Gespräch darauf aufmerksam machte, habe ich diese Aufgabe sehr gern angenommen. Die Kampfrichtererfahrung, die ich trotz meines jungen Alters bereits sammeln konnte, machten mich für sie zur optimalen Kandidatin.


Darüber habe ich mich natürlich sehr gefreut und die Anfrage gern angenommen. Ich kenne alle Kampfrichter in Berlin und konnte mir sehr gut eine Leitung vorstellen. Außerdem gebe ich sehr gerne mein Wissen an andere weiter und stehe für Fairness im Sport. Gerade beim Kampfrichtern der Übungen ist es wichtig, die Leistung der Gymnastinnen auch positiv zu bewerten! Die Arbeit, die dahinter steckt, auch wertzuschätzen und gerade in der jetzigen Zeit so fair wie nur möglich zu bleiben. Das sind alles Sachen bei denen ich mich sehe und die mir sehr wichtig sind!


Sie kommen aus der RSG. Kann man sagen, dass die RSG eine Herzensangelegenheit für Sie ist?

Ja, auf jeden Fall! Ich war selbst zehn Jahre Leistungssportlerin und bin direkt als Trainerin eingestiegen. Als Trainerin in einem Verein braucht man auch Kampfrichter und so kam ich dazu, eine Kampfrichterausbildung zu absolvieren. Seit 2016 bin ich sehr viel rumgekommen und habe über 50 Kampfrichtereinsätze gehabt - sowohl national als auch international. Seit 2019 besitze ich die Kampfrichter A-Lizenz und strebe mit den neuen Wertungsvorschriften 2022 die Internationale Kampfrichterlizenz an. Die Leidenschaft zum Sport hat nie aufgehört und wird so schnell auch nicht erlöschen. Auch als Trainerin habe ich mir sehr hohe Ziele vorgenommen.


Sie sind auch als RSG-Trainerin tätig. Was sind aus Ihrer Sicht in den kommenden Jahren die größten Herausforderungen für Sie als Kampfrichter-Beauftragte einerseits und als Trainerin andererseits?

Die größte Herausforderung für alle Kampfrichter in einem bestehenden Verein ist es, und wird es immer bleiben, den eigenen Verein nicht vorzuziehen. Die Leistung von besseren Gymnastinnen auch wertzuschätzen und sie mit gerechten Punkten zu küren. Gerade in ästhetischen Sportarten muss man neutral bleiben, sein eigenes Ego wegstecken und auch mit Niederlagen umgehen. Die Arbeit anderer Trainer zu beglückwünschen und sich gegenseitig zu unterstützen.


Was sind Ihre Aufgaben als Kampfrichter-Beauftragte?

Meine Aufgabe ist, eine Einteilung aller Berliner Kampfrichter vorzunehmen und es national an die Kampfrichtervorsitzende Birgit Guhr weiterzuleiten. Außerdem bin ich für alle Berliner Wettkämpfe verantwortlich, teile alle gemeldeten Kampfrichter in die entsprechenden Noten ein und koordiniere den Wettkampf. Ich sammle alle Noten während des Wettkampfes ein und falls es zu zu großen Punktunterschieden kommt, bin ich verantwortlich, den Fehler zu finden und mit den Kampfrichtern auszudiskutieren. Außerdem muss ich als Kampfrichtervorsitzende andere Abzüge vornehmen als die Vereinskampfrichter.


Warum sollten sich mehr Menschen für den Kampfrichterposten entscheiden? Was ist das Besondere daran?

Wenn man so sehr verbunden ist zu einer Sportart, sollte man auf jeden Fall versuchen, seine Zeit dafür zu investieren. Gerade wenn man selbst die Sportart betrieben hat, kann man auf diese Art und Weise das zurückgeben was früher so selbstverständlich war. Wenn man etwas gut kann, dann sollte man Hilfsbereitschaft zeigen und irgendwo sein Hobby zum Beruf machen - auch wenn es nur im Ehrenamt ist. Gerade wenn man bei vielen Wettkämpfen dabei ist will man, dass das eigene Bundesland so gut wie nur möglich dasteht. Man muss Verantwortung übernehmen, aber es ist in einem Arbeitsfeld, welches einem Spaß macht!

 


Zur Zeit finden die meisten Wettkämpfe ja digital statt. Wie wirkt sich das auf das Kampfrichtern aus? Ist digitaler gleich besser – einmal aus Sicht als Kampfrichter und aus Sicht als Trainerin?

Für mich selbst hat die digitale Variante keine Perspektive. Zur heutigen Situation können wir uns aber glücklich schätzen, einen Wettkampf auch digital durchführen zu können! Das können nicht viele Sportarten. Gerade Trainer und Kampfrichter, die selbst Kinder haben, schätzen die Online-Variante sehr, da sie nirgends hinfahren müssen und man zu Hause bei seinem Kind bleiben kann.


Als Kampfrichter hat man online natürlich mit der Internetverbindung zu kämpfen. Die Qualität der Videos ist nicht immer gut. Man gibt eine Wertung ab, obwohl man nicht wirklich weiß, ob es passt. Man kriegt kaum Feedback.


Als Trainer ist online immer noch eine bessere Variante als gar nichts. Man kann mit den Kindern auf ein Ziel hinarbeiten. Jedoch ist es gerade bei wichtigen nationalen Wettkämpfen etwas unfair. Man hat mehrere Versuche in der eigenen Halle ein Gerät vorzubereiten und sucht sich dann als Trainer das beste Video aus. So hat es also nicht viel mit der Realität zu tun…


Gibt es große Vor- und Nachteile bei digitalen Wettkämpfen? Und sollen auch in Zukunft (einige) Wettkämpfe, Lehrgänge o.ä. digital stattfinden?

Wettkämpfe, die im Ausland sind oder Wettkämpfe, die als Auftakt in die Saison dienen sind digital super! Man muss nirgendwo hin und kann trotzdem schauen wie weit man bereits mit den Gymnastinnen ist. Wettkämpfe, die auf nationaler oder internationaler Ebene wichtig sind, müssten weiterhin in der Wettkampfhalle live stattfinden, damit der Wettkampf so realitätsnah wie möglich ist.


Digitale Lehrgänge sollten auf jeden Fall mehr stattfinden! So kann man viel mehr Teilnehmer erreichen und jeder kann sich einen passenden Termin wählen.


Treiben Sie selber Sport? Wenn ja, welchen?

Ich bin in der Halle sehr aktiv dabei. Das ist mein Sport.


Was interessiert Sie noch außerhalb des Sports?

Ich interessiere mich sehr für die Medizin. Ich finde es faszinierend, was der menschliche Körper alles leisten kann und gerade als Trainerin ist es mir sehr wichtig auf die Gesundheit der Kinder zu achten.


Was wünschen Sie sich für die Kampfrichterinnen in der RSG und für die Sportart für die Zukunft?

Ich wünsche mir mehr Fairness im Sport und als Kampfrichterin mehr Neutralität. Außerdem würde ich mich freuen, wenn die Sportart mehr Reichweite bekommen würde und somit größer und bekannter wird.





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