Carolin Feist

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 2 (Dezember 2020)

 


Zur Person

Carolin Feist, 31, ist Erzieherin, Erlebnispädagogin und seit Oktober Studentin (Wirtschaftsingenieurin für Umwelt und Nachhaltigkeit); Vorstandsmitglied für Kinderturnen in der BTJ, Mitglied/Bereichsleitung im Veranstaltungsteam

 


Mit acht Jahren bin ich dem Turnverein Nordost beigetreten. Mit zwölf Jahren nahm ich an einer Ferienfahrt nach Schwanenwerder teil, bei der uns vom Helferteam berichtet wurde. Wir waren damals vier Freundinnen aus dem Verein und beschlossen, dort mal vorbeizuschauen. Das ist jetzt 19 Jahre her und jetzt bin ich Vorstandsmitglied der BTJ und arbeite dadurch auch bundesweit in Gremien der Jugendvertretungen DTJ und DSJ mit.


Durch das Turnen im Verein wurde mir sehr schnell vermittelt, dass man nur zusammen auf- und abbauen kann und man zusammen mehr schafft. Das Mitarbeiten im Helferteam vermittelte dies noch intensiver und in viel größerem Rahmen. Ich war ein Kind, als ich dort anfing, und mit meiner Hilfe konnte ich bewirken, dass Veranstaltungen gelingen und andere Menschen wiederum glücklich waren. Was war das für ein tolles Gefühl, dass mein Tun etwas bewirken konnte und ich durch ständig neue Herausforderungen wachsen konnte.

Jetzt denke ich, dass ich so oder so ein Ehrenamt angenommen hätte. Für mich ist es einfach das Natürlichste der Welt, sodass ich über Alternativen nie nachgedacht habe.


Durch mein Ehrenamt habe ich so viel gelernt. Wie man Veranstaltungen von Anfang bis Ende organisiert, Gruppen von 100 Personen auf Position bringt, spontan und flexibel ist, Lösungen findet, Verantwortung übernimmt und und und.

Ein Ehrenamt bringt einen nicht nur persönlich weiter, es kommt auch in der Arbeitswelt gut an. Vor allem, wenn man daraus auch noch Vorteile ziehen kann. Ich konnte mein berufliches Wissen auch beim Ehrenamt erfolgreich anwenden bzw. üben und umgekehrt. Ich sehe nur positive Aspekte.


Ich sehe aber auch, dass es schwerer geworden ist, neue Leute fürs Ehrenamt zu gewinnen. Die Jugend ist schnelllebig geworden, was nicht lange spannend ist, wird uncool. Dennoch suchen die Jugendlichen eine Zugehörigkeit, eine Gruppe, in der sie sich wohlfühlen und angenommen werden, so wie sie sind. Wenn sie bereit sind, eine Helfertätigkeit zu übernehmen, aber dort keine coolen Leute sind oder die Aufgabe nicht spannend ist, verlieren sie schnell die Lust und sehen dahinter nicht das große Ganze; sie sehen nicht den Zweck und den Erfolg auf langer Sicht. Deshalb ist es umso wichtiger, neue Leute sofort gut ins Team aufzunehmen, sie wertzuschätzen und zu binden.


Ich wäre nicht so lange dabei, wenn mir an meinem Amt etwas nicht gefällt. Aber wie in jedem Team gibt es manchmal Probleme – bei Absprachen, die Bedürfnisse von teilweise 40 Leuten unter einen Hut zu bekommen, darauf zu achten, dass keiner über- oder unterfordert ist, bei den langweiligsten Aufgaben nicht den Spaß aus den Augen zu verlieren, konstruktiv mit Kritik umzugehen und es beim nächsten Mal besser zu machen. Dies sind alles Dinge, denen wir uns jedes Mal stellen müssen, die wir meistern wollen.


Ich freue mich jedes Mal aufs Neue auf unsere Seminarfahrten, denn dort hat man endlich genug Zeit, auf die anderen Teilnehmer einzugehen. Zudem biete ich bei diesen Fahrten oft Teamspiele an und finde es immer wieder beeindruckend, wie diese Aufgaben gelöst werden, das Team Spaß daran hat und weiter zusammenwächst.


Die BTJ vermittelt uns immer wieder, wie wichtig unsere Arbeit ist und dass es ohne uns nicht laufen würde. Ich habe natürlich auch sehr gute Freunde aus dem Ehrenamt gewonnen, die verstehen mein Engagement in vollen Zügen. Freunde außerhalb des Sports finden es cool, verstehen aber nicht, was mir daran so viel Spaß macht, samstags um 7 Uhr in irgendwelchen Hallen zu stehen und Geräte aufzubauen. Keiner meiner Freunde oder in der Familie hat ein Ehrenamt, aber sie alle unterstützen mich darin, weil sie sehen, dass ich Spaß dabei habe und so viel daraus ziehen kann.


Ich war auch bereits mehrfach bei der Ehrenveranstaltung im Roten Rathaus mit dem Regierenden Bürgermeister. Das war eine sehr einzigartige Wertschätzung, die ich genossen habe.

Ein persönlicher Höhepunkt war eine Ehrung, die ich im Rahmen der Kinderturnshow im Tempodrom erhielt. Vor so vielen Zuschauern für mein Ehrenamt ausgezeichnet zu werden, hat bei mir schon das ein oder andere Tränchen fließen lassen.


Die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamt klappt bei uns sehr gut. Nicole zieht uns „alte Hasen“ regelmäßig mit ins Boot und verteilt Aufgaben, an denen wir wachsen können. Sie verlässt sich auf uns. Hauptamtliche Mitarbeiter sollten immer auch ein offenes Ohr haben und offen für Vorschläge und Kritik sein. Die Aufgaben sollten klar verteilt sein und man sollte Vertrauen in die Arbeit der Ehrenamtlichen haben.


Für die nächste Zeit wünsche ich mir, dass wir wieder normal weiterleben. Ich wünsche mir, dass sich niemand durch diese Zeit abschrecken lässt und überlegt, sein Ehrenamt aufzugeben. Jeder ist wichtig mit seinem Engagement und es wird wieder die Zeit kommen, in der wir alle in der Halle stehen und einen Tag lang alles rocken, was an Aufgaben anliegt und durch unsere Arbeiten diese Veranstaltung unvergesslich wird – für die Teilnehmer wie für die Zuschauer.

 


Foto: Juri Reetz





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