Interview mit Sabine Knappe

 

Zur Person

Seit ihrem 7. Lebensjahr der Rhythmischen Sportgymnastik verbunden - erst als Aktive, später viele Jahre als Übungsleiterin - war sie BTFB-Vizepräsidentin Finanzen und ist bis heute Mitglied im Fachausschuss Gesundheitssport. Studiert hat sie Rehabilitationspädagogik an der HU, es folgte noch ein Studium der Gesundheitsökonomie. Im Jahr 2005 gründete sie mit ihrem Geschäftspartner Thomas Roth den Verband Rehasport Deutschland (RSD).


Welche Aufgaben hat Rehasport Deutschland?

Wir schließen Verträge mit Kostenträgern – Krankenkassen, Rentenversicherung und Berufsgenossenschaften – und zertifizieren die Angebote unserer Mitglieder, das sind die Rehasport-Anbieter. Wir sorgen für die Qualitätssicherung, bilden Übungsleiterinnen und Übungsleiter aus, bieten Fortbildungen an, betreiben Netzwerkarbeit, informieren Mitglieder und Interessenten und stehen für Fragen, Beschwerden und Beratung immer zur Verfügung. Wir haben es inzwischen geschafft, dass wir mit allen Kostenträgern Verträge abschließen konnten. Das war ein langer Prozess, der mehr als 10 Jahre gedauert hat.

Wir sehen es auch als unsere Aufgabe an, auf die Politik zuzugehen und uns z.B. jetzt in der Corona-Zeit dafür einzusetzen, dass der Reha-Sport weiter betrieben werden darf. Das ist jetzt – bis auf drei Ausnahmen – in allen Bundesländern der Fall.


Von welchen Dimensionen sprechen wir beim Rehasport in Deutschland?

Der RSD agiert bundesweit mit einem Marktanteil von 23 Prozent. Den größten Anteil hat der Deutsche Behindertensportverband (DBS), weitere Akteure sind der Deutsche Verband für Gesundheitssport & Sporttherapie (DVGS) und die Deutsche Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen (DGPR).

Bundesweit agieren im Reha-Sport – Stand Oktober 2020 – 9.959 Anbieter mit 112.243 Übungsgruppen.


Welche Kompetenzen sind unter dem Dach des RSD versammelt?

Unser Team besteht aus 12 Personen und zusätzlich einem großen Referententeam für Aus- und Fortbildungen. Alle haben Rehasport-Erfahrung und sind zum größten Teil Sportwissenschaftler. Wir sind ein tolles Team, arbeiten Hand in Hand und halten fest zusammen. Das ist natürlich in schwierigen Zeiten, wie jetzt, sehr wichtig.


Wer kann sich zwecks Beratung an den Verband wenden?

In erster Linie sind wir natürlich für unsere Mitglieder da, aber wir haben auch einen Blog, den jeder Interessierte lesen kann, wo wir natürlich insbesondere in der Pandemie fast täglich neue Informationen zur Verfügung stellen.


Wie ist das, wenn ein Verein Rehasport-Anbieter werden möchte?

Grundsätzlich kann jede und jeder bei uns Mitglied werden, um die Anerkennung bzw. Zulassung zu erhalten, das muss nicht ein Verein sein. Der Gesetzgeber gibt nämlich nicht vor, welche juristische Person Rehasport erbringen darf. Bei uns sind vor allem Physiotherapiepraxen, Rehazentren und Gesundheitssportanbieter Mitglied, aber natürlich auch Vereine.

Die Voraussetzungen für die Anerkennung als Rehasportanbieter sind durch den Gesetzgeber und die untergesetzliche Norm, die Rahmenvereinbarung, vorgegeben und werden von uns überprüft.


Wie sieht die Zusammenarbeit mit einem Verband – konkret dem BTFB - aus?

Die Kooperation ermöglicht es Vereinen des BTFB, auch ohne Mitgliedschaft bei uns eine schnelle und unkomplizierte Anerkennung bzw. Zulassung zu erhalten.

Da wir mit dem RSD in Berlin ansässig sind, führen wir hier fünfmal im Jahr einen RehaStammTisch durch. Dort informieren wir über aktuelle Entwicklungen und die Rehasport-Anbieter können sich untereinander austauschen. Im vorigen Jahr fand die Veranstaltung zweimal online statt.


Im BTFB wird ausdrücklich die schnelle Umstellung auf Online-Schulungen Ihres Verbandes im vergangenen Jahr gelobt. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Die Pandemie verlangt allen Menschen privat und beruflich viel Flexibilität ab. Na ja, und wie viele andere Unternehmen auch, mussten auch wir schnell umdenken. Das funktioniert besser als erwartet. Seminare, Fortbildungen und den Theorieteil der Übungsleiterausbildung inkl. der theoretischen Prüfung führen wir jetzt online durch.


Der Rehasport darf derzeit als einzige Sparte auch mit Präsenzangeboten arbeiten. Wie begleitet der RSD diesen Prozess und wie ist die Resonanz, wie werden die Angebote angenommen?

Es ist wichtig, dass die Teilnehmer den medizinisch notwendigen Rehasport auch in der Pandemie fortführen. Rehasport kann kontaktlos stattfinden. Selbstverständlich müssen dabei strenge Hygiene-und Schutzmaßnahmen eingehalten werden. Hierfür haben wir klare Empfehlungen erarbeitet.

Alternativ ist auch Rehasport online möglich. Dies wird von ca. 12 Prozent unserer Mitglieder angeboten. In der Pandemie haben viele Anbieter die Vorteile von Sporttreiben an der frischen Luft zu schätzen gelernt und ich denke, sobald die Wetterlage es wieder hergibt, werden auch wieder viele Anbieter den Rehasport nach draußen verlagern.


Wenn Sie mal einen Tag dieser Woche als Beispiel herausgreifen – womit beschäftigen Sie sich, was steht aktuell an Problemen oder Aufgaben im Fokus?

Im Moment sind es vor allem die Anfragen unserer Mitglieder bezogen auf die sich ständig ändernden Coronaschutzverordnungen der Bundesländer. Die Unsicherheit ist bei den Rehasportanbietern sehr groß. Es fehlt vor allem an Planungssicherheit.

Dann führe ich mindestens einmal pro Woche ein Onlineseminar durch.

Und die Abnahme der Räumlichkeiten von neuen Rehasport-Anbietern erfolgt weiterhin, so dass ich auch mal zwei bis drei Tage am Stück in Deutschland unterwegs bin. Es muss trotz Pandemie ja weitergehen.


Wie wichtig ist die externe Kommunikation über die Medien für Ihr Fachgebiet?

Natürlich wünschen wir uns für den Rehasport, der ein breites Versorgungsspektrum im Bereich der ergänzenden Leistungen der Rehabilitation darstellt, mehr Aufmerksamkeit und damit verbunden das Verständnis, wie wichtig der Rehasport für die Teilnehmenden ist. Allerdings ist der Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei uns im Verband „unbesetzt“, das wollen wir ändern.


Was wünschen Sie sich, wenn es – nach oder im Umgang mit Corona - wieder in Richtung Normalbetrieb geht?

Wir werden noch lange mit den Folgen der Pandemie zu tun haben. Die Langzeitauswirkungen einer Coronaerkrankung müssen noch genauer erforscht werden, aber wir sind davon überzeugt, dass auch der Rehasport hierbei eine große Rolle spielen wird, damit beispielsweise Patienten Ihre Leistungsfähigkeit wieder zurückerlangen. Nicht zu unterschätzen sind auch die psychischen Probleme, mit denen Menschen durch die Pandemie zu kämpfen haben.

Es wird also auch neue Gruppenangebote mit neuen inhaltlichen Schwerpunkten geben, zu deren Entwicklung wir gern unseren Beitrag leisten wollen.


Was gefällt Ihnen persönlich an Ihrer Arbeit?

Den Verband von seiner Gründung an zu begleiten und weiterzuentwickeln ist eine Herausforderung, macht aber auch unheimlich viel Spaß, weil es eben auch immer wieder was Neues gibt.


Sind Sie – über das Berufliche hinaus – noch mit dem BTFB verbunden?

Ich bin weiterhin Mitglied im Fachausschuss Gesundheitssport. Und wenn es Veranstaltungen oder vor allem Wettkämpfe in der Rhythmischen Sportgymnastik gibt, dann gucke ich gerne zu.


Treiben Sie selbst Sport und was machen Sie jetzt in Corona-Zeiten, um sich fit und gesund zu halten?

Ich laufe gern oder mache zusammen mit meinem Mann Nordic Walking, am liebsten durch den Grunewald. Letzten Sommer sind wir sehr viel Fahrrad gefahren.

Wenn es wieder möglich sein wird ins Fitnessstudio zu gehen, dann werde ich das auch wieder tun.


Ein persönlicher Tipp an alle, um gut durch die Corona-Zeit zu kommen…

Positives Denken hilft in allen Lebenslagen. Vieles geht im Moment nicht, aber man kann auch viel entdecken. Mir fällt immer wieder auf, wie viele Dinge ich in meinem Kiez bei einem Spaziergang bislang nicht wahrgenommen habe. So entdecke ich Neues und das macht mir Freude.



Foto: Juri Reetz






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