Statement von Manfred Brühl

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 1 (September 2020)


Seit meinem 7. Lebensjahr bin ich Vereinsmitglied in der Berliner Turnerschaft Korporation – bis heute. Auf der Berliner Ebene war ich Leistungsturner, später habe ich am Gruppenwettkampf DTVG bei den Deutschen Meisterschaften und an TGW-Wettkämpfen teilgenommen. Das war schon sehr wichtig für meine spätere Tätigkeit im Sport.


Die besteht nach wie vor aus drei Teilen: Leitung der Schauturngruppe des Berliner Turn- und Freizeitsport-Bundes – Die Elefanten - , Übungsleiter im SC-Siemensstadt und Leitung des Kurses Gerätturnen an der Freien Universität (Zentraleinheit Hochschulsport). Dazu kommt die Choreographen-Tätigkeit, z.B. für die Turnfeste, wie jetzt wieder im Team der Stadiongala.


Beruflich arbeite ich seit 30 Jahren in einem Ingenieurbüro, wir bauen u.a. Lüftungstechnik für Krankenhäuser. Diese Tätigkeit, das logistische Denken und der Umgang mit Zeichenprogrammen kommt mir z.B. beim Gerätebau für die Shows der Elefanten zugute. Oft haben wir erst diese unkonventionellen Geräte entwickelt und dann geschaut, wie wir die „beturnen“ können.


Ich bin ein absoluter Praktiker, entwickle die Idee gern mit dem Team, wir gehen in die Experimentierphase, probieren und verwerfen. Da arbeiten alle Hand in Hand, so entstehen die Elemente. Das ist meine Art des Lernens.


Was mir gefällt, ist der Austausch mit den Leuten. Wir haben am Anfang, wenn wir eine neue Show entwickeln, oft ganz verrückte Ideen, da wird alles zugelassen, und dann schau’n wir, was geht. Da kommt auch ganz viel aus der Gruppe und die Leute bringen ein, wovon sie Ahnung haben. Kreativität hat viel mit Querdenken und Teamarbeit zu tun.
Außerdem macht es mir mittlerweile Spaß, in der ehrenamtlichen Arbeit die Erfahrungen den Jüngeren weiterzugeben. Das ist erfüllend.


Und natürlich lernen wir mit jeder neuen Vorführung, mit unseren Shows und Auftritten. Bei den Gymnaestraden sieht man ja auch, was die anderen machen und bekommt wieder neue Impulse. Seit 1982 habe ich an allen Welt-Gymnaestraden teilgenommen, seit 1995 immer mit den Elefanten.


Großraumchoreographien habe ich bei den Deutschen Turnfesten 1987-1994-2002-2017 entwickelt. Da haben wir am Anfang auch Lehrgeld gezahlt. Kleines Beispiel: Wir haben mit den Kindern im Kinderbild große Kreise auf der Fläche gebildet. Das ist schwer umzusetzen und sieht dann nie gut aus. Muss man eben draus lernen und künftig anders rangehen.
Choreographiert habe ich u.a. auch die Eröffnungsveranstaltung des Berliner Olympiastadions nach dem Umbau 2004, Regie geführt beim 150-jährigen Jubiläum „meines“ Vereins vor 1500 Zuschauern und bei der Turn- und Sportgala "200 Jahre Turnen" in der Max-Schmeling-Halle.


Absolute Highlights für mich waren der Live-Auftritt im Fernsehen bei „Geld oder Liebe“ mit Jürgen von der Lippe um 20:15 Uhr im Samstag-Abendprogramm, die Elefantasia 3 unter meiner Regie - unsere eigene Show der Elefanten im Tempodrom vor 3500 Zuschauern - und die Tournee mit dem „Feuerwerk der Turnkunst“. Sowas vergisst man nie! Und überhaupt: Den Applaus zu erleben, wenn es dem Zuschauer gefällt, was man auf die Beine gestellt hat, das ist unbeschreiblich!


Viel entwickle ich auch am Computer, zum Beispiel die Raumwege und die Logistik für das Kinderbild der Stadiongala bei den Turnfesten, wie jetzt für Leipzig 2021. Ich habe Spaß am Choreographieren, vor allem im Team, und ich freue mich auch immer drauf, mich mit anderen Choreographen auszutauschen. Choreographie ist eine Leidenschaft, eine andere die Musik, und beides gehört ja zusammen. Die Musik als Ideenquelle für die Choreographien, da tüftle ich gern, bis alles stimmt. Ich habe 1.400 CDs zu Hause! Da kommen schon mal sechs, sieben Stunden am Stück zusammen und es macht mir einen Riesen-Spaß. Immer was neues - neue Geräte, neue Musik, neue Ideen – das ist cool!


Beim Kinderbild der Stadiongala haben wir zuerst die Musik, daraus entsteht dann das Bild und das müssen die einzelnen Gruppen dann ja üben und umsetzen. Dafür zähle ich die Takte für die einzelnen Cluster aus. Das wird alles zusammengefügt zu einem Regiebuch, nachdem dann alle arbeiten. Wir sind jetzt mit der Crew des Kinderbilds – das sind wieder wir vom BTFB – und insgesamt der Stadiongala fürs Turnfest 2021 ein richtig gutes Team, und es macht großen Spaß, da mitzuarbeiten und wieder viel voneinander zu lernen.


Ich freu mich über mein Glück, soviel im Sport bisher erlebt zu haben…


Zur Person

Manfred Brühl (60) ist Technischer Zeichner, Chef der BTFB-Showturngruppe „Die Elefanten“ und Mitglied der Turnfest-AG Stadiongala


Foto: Juri Reetz




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