Mike Hoffmann

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 2 (März/April 2021)

 


Zur Person

Der 41-jährige Mike Hoffmann ist Vorsitzender des Allgemeinen Turn-Verein zu Berlin 1861.

 


Digitalisierung – Fluch oder Segen? Das ist eine gute Frage. Schon vor der Corona-Pandemie haben wir uns als Verein mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt. Das Thema Mitgliederverwaltung oder besser gesagt Vereinsverwaltung hat uns lange beschäftigt. Seit Langem waren wir mit unserer Mitglieder-Software nicht mehr zeitgemäß unterwegs. Daher haben wir schon 2019 angefangen, uns neu zu orientieren. Als Verein haben wir uns 2019 dank der Unterstützung des Landessportbundes Berlin einen neuen Server mit Telefonanlage und vielen weiteren neuen Möglichkeiten anschaffen können.


Das hat es uns relativ leicht gemacht, zu Beginn des Lockdowns die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unseres Vereins ins Homeoffice zu schicken, da wir technisch schon gut in der Lage waren, per Fernzugriff zu arbeiten. Wir mussten nur noch ein paar Notebooks anschaffen, um alle fürs Homeoffice auszustatten. Da wir wie schon oben erwähnt, mit der Neuanschaffung auch eine neue IP Telefonanlage hatten, waren wir auch gut erreichbar für die Mitglieder. Doch schnell merkten wir, dass uns für das digitale Zusammenarbeiten etwas fehlte. Wir haben dann den Markt zu erforscht, beim BTFB und bei anderen Vereinen nachgefragt und ausprobiert und sind dann aber relativ schnell bei „Microsoft Teams“ gelandet, das wir schnell bei uns eingeführt haben.


Im Nachhinein haben wir festgestellt, dass wir damit auch einen langjährigen Wunsch unserer Fachwarteinnen und Fachwarte im Verein erfüllt haben, die sich schon länger ein internes Kommunikations- und Austauschtool gewünscht haben. Anfangs hatten wir bei der Digitalisierung hauptsächlich die Verwaltung im Auge. Heute wissen wir, wir möchten Teams in unserer gesamten Vereinsarbeit nicht mehr missen.


Im Zug der Corona-Pandemie stellen wir immer stärker fest, dass unsere Mitgliederverwaltung mit den wachsenden Anforderungen nicht mehr mitkommt, insbesondere den erforderlichen Online-Anmeldungen wegen der Kontaktnachverfolgung und wir haben den bereits geplanten Umzug unser Mitgliederverwaltung beschleunigt. Zeit hatten wir ja leider dafür genug, obwohl wir sogar alle Mitglieder nicht automatisiert, sondern händisch überführen mussten. Ein erster Testlauf erfolgte im August und zum 1. Januar 2021 sind wir komplett auf das neue System mit Mitgliederverwaltung und Kursbuchungssystem in einer Schnittstelle umgezogen. Es gab nur wenige Umstellungsschwierigkeiten, viele Mitglieder fanden das neue System gleich besser und selbst erklärender.


Parallel dazu haben wir uns in der Pandemie auch mit den Themen Sportvideos und Live-Online-Sport auseinandergesetzt. Anfangs haben wir mit einfacher Technik erste Sportvideos gedreht. Wir hatten keinen Computer, der einen wirklichen Videoschnitt konnte. Auch hier haben wir Unterstützung vom Landessportbund Berlin bekommen und konnten einen Videoschnittcomputer und eine Kamera anschaffen, mit der dann das Drehen und Schneiden von Videos viel leichter und professioneller ging.


Ferner haben wir angefangen, uns verschiedene Videokonferenzsoftware anzuschauen. Unsere externen Datenschutzbeauftragten haben uns aber dafür von „Teams“, „Skype“ und „Zoom“ abgeraten. Im ersten Lockdown haben wir „Blizz“ genutzt, ein Produkt von Teamviewer. Im zweiten Lockdown im November nutzten wir dann unsere neue Mitgliederverwaltung von Kursolino, die zu der Zeit einen integrierten BigBlueButton-Server testete und leider nur bis März 2021 betrieb. Daher betreiben wir seit März 2021 unseren eigenen BigBlueButton-Server, der in Deutschland gehostet wird und somit DSGVO-Konform ist.


Aktuell bieten wir mehr als 20 Sportstunden in der Woche digital an. Seit April 2021 haben wir auch unser erstes Sportangebot im Verein eingeführt, das über den Corona-Lockdown hinaus im Vereinsangebot digital bleiben soll und weitere sind in Planung.


In Sachen Lösungen für die Digitalisierung bietet der BTFB Beratung und/oder Kontakt zu Vereinen für den Erfahrungsaustausch an. Ich denke, der BTFB ist auf einem guten Weg. Er bietet schon einiges an und ist immer bereit zu unterstützen, wenn man mit Fragen kommt oder Hilfe benötigt.


Persönlich fasziniert von der Digitalisierung bin ich davon, wie schnell es auf einmal in der Weiterentwicklung gehen kann und wie schnell Vereine und der BTFB sich digital weiterentwickelt haben. Nachteilig finde ich, dass fast die ganzen persönlichen Randgespräche auf der Strecke bleiben. Bei einer Präsenzveranstaltung kann man eben in der Pause oder im Gehen noch das ein oder andere besprechen. Auch die soziale Vereinsamung unserer Mitglieder durch fehlende persönliche Zusammenkünfte – sei es in den Sportgruppen, bei Vereinsveranstaltungen oder Sitzungen – beschäftigt uns als Verein. Digitale Alternativen erreichen nicht alle und ersetzen nicht alles.


Die Corona-Pandemie hat aus meiner Sicht die Digitalisierung massiv vorangebracht, besser gesagt beschleunigt. Viele Ideen waren auch schon vor Corona in den Köpfen, aber durch Corona war auf einmal die Notwendigkeit da, sie schnell umzusetzen. Aber „richtige” Treffen sind unverzichtbar. Aber ich denke aufgrund der Schnelligkeit unserer Gesellschaft, werden Video-Konferenzen weiter zum Alltag dazu gehören.

 


Foto: Juri Reetz

Verbandsmagazin








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