Detlef Mann

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 2 (März/April 2021)

 


Zur Person

Detlef Mann ist 76 Jahre alt, Rentner und war 12 Jahre lang Präsident des Rheinhessischen Turnerbundes. Darüber hinaus war er Leiter Stadiongala bei den Deutschen Turnfesten 2002 in Leipzig, 2005 in Berlin und 2009 in Frankfurt.

 

Ich bin Detlef Mann, 76 Jahre alt und seit 2005 in Rente. Mit 10 Jahren bin ich in den TSV Gau-Odernheim eingetreten und habe dort Turnen gelernt. Ich habe nahezu alle möglichen Stufen eines aktiven und ehrenamtlich tätigen Turners durchlaufen. Vom Übungsleiter zum Abteilungsleiter Turnen, Mitarbeit im Turngau als Gau-Kinderturnwart und Kunstturnwart. Im Rheinhessischen Turnerbund (RhTB) Oberturnwart (damals Dieter Pischnig in Berlin) und später 12 Jahre Präsident. Im DTB Bereichsvorstand Männerturnwart, dann Leiter der 1. Arbeitsgruppe Fitness-und Gesundheitssport, 1995 Leiter der AG Eröffnungsveranstaltung Weltgymnaestrada Berlin und danach Entwicklung des Bereiches Vorführungen, Choreografie, Großveranstaltungen, Leiter Stadiongala Deutsche Turnfeste 2002 Leipzig, 2005 Berlin und 2009 Frankfurt. Die Stadiongala in Berlin 2005 war für mich persönlich das wohl beeindruckendste Erlebnis in diesem Bereich mit dem Turntower in der Mitte und die unvergessliche Choreografie der Maueröffnung, bei der es bei dem Song „Wind of Change“ ganz still im Stadion wurde und mit dem Song „Freiheit“ das Stadion nahezu explodierte.


Nach meiner 12-jährigen Präsidentschaft kümmere ich mich im Rheinhessischen Turnerbund zusammen mit zwei Mitstreitern um das Thema „Digitalisierung – Vereinssoftware“.

Ich kann eigentlich nur vom „Segen der Digitalisierung“ sprechen, da eine sinnvolle Anwendung und Nutzung große Potentiale der Arbeitserleichterung bieten. Ich denke da z.B. an eine moderne, cloud-basierte Vereinssoftware. Im globalen Sinn sind die Möglichkeiten der Nutzung von KI (künstliche Intelligenz) riesig, z.B. im Gesundheitsbereich durch Nutzung einer großen Datenmenge (big data) von Krankheiten zur Verbesserung und schnelleren Entwicklung von patientenspezifischen Heilmitteln.


Der RhtB hat zusammen mit dem Hessischen, dem Badischen und dem Saarländischen Turnerbund in 2018 zwei Zukunftsworkshops durchgeführt, dabei wurde sichtbar, dass die Digitalisierung zukünftig das alles überlagernde Thema sein wird.

Parallel dazu entstand ein kleines, nationales Netzwerk von kompetenten Menschen, welche sich bereits seit längerem mit dem Thema VSW befasst hatten. Im November 2018 habe ich an einem nationalen Meeting für alle möglichen Vertreter des Sports und sportlichen Umfeldes teilgenommen, woraus eine Arbeitsgruppe entstand, welche die Aufgabe hatte, einen damals sog. „Digi-TÜV“ zu entwickeln. Ich war Mitglied dieser AG und wurde dann richtig angefressen von diesem Thema. Für mich war am wichtigsten die Frage „wie können wir unseren Mitgliedsvereinen helfen, sich dem Thema VSW zu nähern“. Dies hat sich bis heute nicht geändert, da vor allem in den kleineren und mittleren Vereinen wenig Bewusstsein existiert, welche signifikanten Arbeitserleichterungen mit einer modernen VSW erzielt werden können.


Aus meinen jetzt mehr als 2-jährigen Erfahrungen in diesem Bereich ist der Wechsel zu einer modernen Vereinssoftware (VSW) am wichtigsten, da aus vielerlei Gründen hier eine signifikante Erleichterung für die Vereinsführung zu erzielen ist. Allein durch den Zugriff auf die VSW mit einem Endgerät zu jeder Zeit und an jedem Ort durch die in der Vereinsverwaltung tätigen Personen entstehen Zeitersparnisse. Gut entwickelte VSW bieten neben den klassischen Tools wie Mitgliederverwaltung, Buchhaltung usw. z.B. einen digitalen Mitgliedsantrag, Übungsleiter- Verwaltung mit Auszahlung der Honorare, Erstellung von Budgetplanungen sowie eine Beleg-Dokumentation.


Ein wesentlicher Bedarf an Vereinsberatung besteht in Bezug auf die Auswahl einer modernen, cloud-basierten VSW. Es gibt weit mehr als 100 verschiedene Anbieter, da ist es für weniger kundige Menschen nahezu unmöglich, hier die richtige Wahl zu treffen.


In unserem Verband konzentrieren wir uns auf Digitalisierung der Vereinsarbeit, da wir hiermit unseren Mitgliedsvereinen eine hilfreiche Serviceleistung anbieten können. Dazu bietet der Verband drei verschiedene Lösungen an. „Netxp-Verein“ als Verwaltungssoftware, Yolawoo für die Buchung von Kursangeboten und MS Teams als Kommunikations-Instrument, wobei der Verband seine sämtlichen Aus-und Fortbildungsangebote mit MS Teams durchführt.


Aufgrund eines breiten Erfahrungsschatzes unseres kleinen Dreierteams in Bezug auf die Thematik „Vereinssoftware“ (VSW) waren wir in der Lage, eine Analyse der wichtigsten Anbieter durchzuführen. Dazu haben wir einen Kriterienkatalog erstellt und die einzelnen Kriterien zusammen mit 10 interessierten Vereinen bewertet, was den Vereinen wichtig ist. Dies war Grundlage für die Bewertung der bedeutendsten Anbieter von VSW. Von fünf Anbietern in der engeren Auswahl haben wir uns dann für die VSW „Netxp-Verein“ entschieden. Unter anderem deshalb, weil wir bei persönlichen Gesprächen mit den dort Verantwortlichen den Eindruck gewonnen hatten, dass wir gemeinsam an der Weiterentwicklung dieser VSW arbeiten.


Konkret haben wir in unserem Verbandsmagazin mehrere Artikel zu diesem Thema veröffentlicht, zusammen mit Netxp haben wir eine Online-Informationsveranstaltung durchgeführt. Mit interessierten Vereinen haben wir bereits Direktgespräche durchgeführt und bieten diese zukünftig für alle Vereine an, die sich konkret für diese VSW interessieren und entscheiden wollen, möglichst zeitnah auf „Netxp-Verein“ umzusteigen. Als nächste Maßnahme bieten wir ein online-meeting für Nutzer an, um hier einen Wissens-Austausch zu ermöglichen.

Unseren 1. Infobrief unseres Teams an alle interessierten Vereine und einzelne Vereinsvertreter haben wir verschickt, weitere Briefe dieser Art wollen wir nach Bedarf schreiben.


Die Rückmeldungen in Bezug auf die inhaltlichen Aspekte unserer Digitalisierungs-Serie im Verbandsmagazin werden sehr positiv aufgenommen. Die Vereine kommen jedoch weniger von sich aus auf uns zu, hier müssen wir immer wieder anhand persönlicher Kontakte nachhaken.

Schwierig ist die Entscheidungsfindung innerhalb eines Vereins, da die offensichtlich positiven Aspekte durch persönliche Bedenken und auch die Konstellationen im Vorstand überlagert werden.


Die Software Yolawoo und auch MS Teams werden sicherlich auch später weiter genutzt werden, da man damit während der Pandemie gute Erfahrungen gemacht hat. MS Teams wird ja auch vom DTB in Lizenz zur Verfügung gestellt.

Video-Konferenzen werden zukünftig sicherlich mehr als bisher gemacht werden, „richtige“ Treffen sind für das soziale Miteinander (was ja einen Verein letztlich aus ausmacht) unerlässlich. Bereits jetzt macht sich eine große Müdigkeit bei homeoffice und video-Konferenzen bemerkbar. Ich kenne versierte Referenten, die entschieden haben, keine online Referate zu halten.


Faszinierend sind für mich die nahezu unbegrenzten Möglichkeiten, welche die Digitalisierung bieten, wie z.B. die Nutzung von KI (künstlicher Intelligenz) in nahezu allen Lebensbereichen unserer Gesellschaften. Bemerkenswert ist die rasante Zunahme der Nutzung digitaler Instrumente durch die Älteren. Die bedeutendste Veränderung besteht m.E. darin, dass inzwischen jeder Einzelne in unserer Gesellschaft erkannt hat, dass es zukünftig ohne Digitalisierung nicht nennenswert Fortschritte geben wird, insbesondere auch im Wettbewerb mit konkurrierenden Ländern in anderen Regionen.


Auf jeden Fall hat die Corona-Zeit die Digitalisierung vorangebracht, ich denke z.B. an den Bereich Bildung von Kindern und Jugendlichen, wo sich eklatante Schwächen gezeigt haben. Insgesamt hat die Pandemie den politisch Verantwortlichen gezeigt, was sie in der Vergangenheit in Sachen Digitalisierung versäumt haben.

 


Foto: privat

Verbandsmagazin








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