Nicole Gohel

Ausführliche Fassung des Textes aus dem Magazin BewegtBerlin, Nr. 2 (Dezember 2020)

 


Zur Person

Nicole Gohel, 48, ist Stadtoberinspektorin - Arbeitsvermittlerin und Mitglied im erweiterten BTJ-Vorstand.

 


Die heutige Zeit ist sehr schnelllebig und ein Ehrenamt heißt, sich für einige Zeit zu binden. Das Ehrenamt ist nicht mehr so angesehen, wie früher. Man müsste den Jugendlichen mehr verdeutlichen, dass einem das Ehrenamt oft mehr zurückgibt, als man denkt. Gerade im Hinblick darauf, was man fürs Leben mitnimmt. Ich habe gelernt, dass man trotz größtem Stress für viele Probleme Lösungen findet. Leider nehmen auch die Arbeitgeber nicht immer Rücksicht auf ein Ehrenamt und hier müsste man ansetzen. Ich glaube, dass dann auch mehr Jugendliche, aber auch Erwachsene, wieder verstärkt ehrenamtlich tätig sein würden. Ich würde meinem Sohn ehrenamtliches Engagement empfehlen, wenn er etwas für sich Passendes findet. Aber ich würde es nicht erzwingen wollen. Bei Thomas und mir ist es auch über die Jahre entstanden und passte ganz gut zu unseren privaten Interessen.


Ich bin seit 1995 im Veranstaltungsteam und gehöre damit zu denen, die derzeit am längsten mit dem Team verbunden sind. Zum Team bin ich über die Welt-Gymnaestrada, die damals in Berlin stattfand, gekommen und bis heute dabeigeblieben. Ich denke, dass ich ohne das Veranstaltungsteam jetzt nicht im Vorstand der Berliner Turnerjugend tätig wäre.


In den letzten Jahren konnte ich aufgrund der Betreuung meines Kindes nicht mehr so häufig an den Veranstaltungen teilnehmen, weil mein inzwischen verstorbener Ehemann Thomas Gohel meistens für die Fotos gebraucht wurde und wir nicht immer jemanden für die Kinderbetreuung hatten. Seit unserer Hochzeit 2003 war das Veranstaltungsteam und seit 2005 auch die Arbeit im Vorstand eine Familienangelegenheit.


Mir gefällt vor allem die Abwechselung der Aufgaben in den einzelnen Veranstaltungen. Es gibt immer wieder neue Herausforderungen, mit denen man im Vorfeld nicht gerechnet hat. Die größten ihrer Art waren die vielen Einsätze beim Deutschen Turnfest 2017 in Berlin, wo mein Mann und ich oft an verschiedenen Orten und zu gleichen Zeiten Einsätze hatten und dazu die zeitliche Koordination mit einem schulpflichtigen Kind ohne Ferien hinbekamen. In dieser Woche haben wir uns kaum gesehen und es trotzdem geschafft, an unserem Hochzeittag das Feuerwerk in der Stadiongala für ein kurzen Augenblick gemeinsam zu erleben. Das gehört zu meinen schönsten Erlebnissen im Ehrenamt, denn wer kann schon sagen, dass er bei seinem Hochzeitstag ein Feuerwerk im Olympiastadion bekommen hat?


Es hat mir dann geholfen, dass man vom Vorstand, der Geschäftsführung und vom Präsidium an Thomas‘ Beerdigung teilgenommen hat und am Grab ein paar Worte über seine ehrenamtliche Tätigkeit gesagt hat. Ich glaube, dort ist vielen seiner Kollegen erst bewusst geworden, was Thomas mit seinem Ehrenamt bewirkt hat.


Aus dem Veranstaltungsteam habe ich auch zwei neue Freunde gewonnen, die nach dem Tod von Thomas einfach da waren, wo sich langjährige Freunde abgewendet haben. Ja, man kann sagen, dass die Unterstützung und Angebote nach Thomas‘ Tod seitens der Turnerjugend mir einen gewissen Halt gegeben haben. Dazu zählt auch das Verständnis, dass ich Zeit brauchte und eventuell noch brauche, um im gleichen Zeitrahmen wie früher für mein Ehrenamt zur Verfügung zu stehen.

 


Foto: Juri Reetz




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